Saisonrückblick Artland Dragons 2011/12

Ich habe mir mal ein paar individuelle Statistiken der Artland Dragons der abgelaufenen Saison angesehen.

Zur Erklärung:
+/- pro 40 Minuten: Erklärt sich von selbst. Die Plus-Minus-Werte der gesamten Saison auf 40 Minuten hoch gerechnet.
USG%: Prozent der Ballbesitze eines Teams, die der Spieler durch Korbwürfe, Freiwürfe, Assists und Turnover beendet, projeziert auf die Spielzeit.
USG vs. Eff: Ballbesitzabschließende Aktionen eines Spielers pro Spiel neben Punkte pro ballbesitzabschließender Aktion.
eFG%: Effektive Feldwurfquote, die berücksichtigt, dass ein Dreier einen Punkt mehr wert ist als ein Wurf aus Nah- oder Mitteldistanz.
RB%: Anteil der potenziell „verfügbaren“ Rebounds, die ein Spieler holt, während er auf dem Feld steht. Unterteilt in Offensiv-, Defensiv- und Gesamtrebounds.
AST%: Anteil der Körbe der Mitspieler, die durch einen Spieler vorbereitet wurden.
AST/FGA: Assists pro Feldwurfversuche.
TOV%: Anteil eines Spielers an den gesamten Ballverlusten, während er auf dem Parkett steht.
ORAT: Die Veränderung des Offensive-Ratings (erzielte Punkte eines Teams pro 70 Ballbesitze) wenn der Spieler eingesetzt wird, auf der Bank sitzt und die Verrechnung beider Werte.

Quellen sind die Website der Beko BBL und RealGM.

Die Interpretation überlasse ich jedem selbst, bei Statistiken gilt wie üblich, dass sie nicht sämtliche Faktoren berücksichtigen können und müssen. Für Bailey, Hilliard und Thomas gab’s leider keine Angaben zu +/-, sortiert wurde nach dem Alphabet anhand des Nachnamens.

Anhand eigener Beobachtungen und obiger Stats eine knappe Einschätzung der Schlüsselspieler meinerseits:
– Peavy: Nate ist unglaublich wichtig für die Offense der Dragons, das Offensive-Rating der Dragons steigt, wenn er spielt und gleichzeitig bringen die Dragons mit Peavy mehr Punkte zwischen sich und ihren Gegner. Dafür hat er zwar relativ häufig den Ball in der Hand, ist aber auch äußerst effektiv. Außerdem reboundet er gut und schmeisst den Ball nicht übermäßig weg. Kurzum: Das komplette Paket und wir können (auf eine etwas masochistische Art) froh sein, dass Peavy so schlecht gegen Tucker ausgesehen hat. Das drückt den Preis vielleicht etwas…
– Holston: Hat viel den Ball in der Hand und kreiert für seine Mitspieler (besser bspw. als Rice das gemacht hat), ist aber bei weitem kein so effektiver Scorer wie von mir vermutet. Überraschend ist dabei vor allen Dingen, dass das Offensive-Rating der Dragons mit Holston auf dem Feld deutlich runter geht. Da die Dragons mit Holston aber ordentlich Punkte zwischen sich und den Gegner bringen, ist Holstons defensive Arbeit vielleicht nicht zu unterschätzen. Wie die Stats bin auch ich in der Causa Holston absolut ambivalent: Holston ist ein cooler Typ, aber imho bei weitem nicht so wichtig wie er gemacht wird. Seine Leistung können auch (viele) andere PGs bringen. Außerdem war er mir in den POs nicht aggressiv genug, gegen Bamberg hat er sich geradezu versteckt (auch wenn die Bamberger Guard-Defense natürlich sehr stark ist) – Rice hat in der Situation erst richtig angefangen aufzublühen (und die brose-Defense war letztes Jahr noch einmal deutlich stärker).
– Hess: Bekommt selten den Ball und schmeisst ihn dann sofort (aber effektiv!) auf den Korb, was ihn zu einem soliden Spot-Up-Shooter macht. Wer Hess hat, braucht nicht nach Schwethelm zu fragen.
– Grünheid: Schon eher ein Sorgenkind. Die TOV% bestätigen den Eindruck, dass Grünheid anfällig für (dumme) Ballverluste und im Scoring kein Faktor ist. Andererseits arbeitet er gut am offensiven Brett und hat ein Auge für seine Mitspieler. Grünheid ist in meinen Augen keine wirkliche Schwächung auf dem Feld, ihn für einen (wesentlich) teureren (deutschen) Spieler auszutauschen hielte ich für verkehrt.
– Thomas: Neben Peavy effektivster Scorer der Dragons, defensiv aber so gut wie talentfrei. Unter gewissen Bedingungen würde ich ihn aber gerne wieder bei den Dragons sehen (s.u.).
– Strasser: Gute Verpflichtung, der steht für die Intensität, die den Dragons in der letzten Saison so häufig abging. Scort effektiv ohne viele Ballbesitze, hat aber den bekannten Hang zum Turnover. Trotzdem: No-Brainer.
– King: Sehr guter Offensiv-Center. Beweglich, kann sowohl mit Gesicht als auch Rücken zum Korb spielen, ist am Korb ein effektiver Scorer, hat ein ordentliches Midrange-Game und arbeitet gut am offensiven Brett. Defensiv s.u.
– Fenn: Oh je, der Darren. Eigentlich ein sehr kompletter Center, aber in diesem Jahr ist er nie wirklich in den Tritt gekommen. Bekommt sehr häufig den Ball, macht aber aus diesen Ballbesitzen viel zu wenig. Auch beim Rebound war Fenn schon stärker. Defensiv s.u.
– Bailey: Mein absolutes Sorgenkind, weil (offensichtlich nicht nur) mein absoluter Lieblingsspieler bei den Dragons (mein Bailey-Trikot riecht immer noch nach der fränkischen Finals-Brause von 2007): Völlig desolate Statistiken, egal welche man sich anschaut. Defensiv noch immer klar der stärkste Dragon, sowohl in der Team-Defense als auch – und vor allem – in der individuellen Defense. Aber offensiv bestätigt die Statistik meinen Eindruck, dass es sich die Dragons nicht werden erlauben können, einen offensiv nicht vorhandenen Combo-Guard durch die Saison zu schleppen. Ein (Defensiv-)Spezialist in einer Guard-Rotation aus drei Leuten ist ja in Ordnung, aber mit Strasser und Bailey in dieser Form war man zu abhängig von Holston. Wenn Bailey wieder offensive Gefahr ausstrahlt, freue ich mich über eine weitere Saison mit ihm. Tut er das nicht, wird es Zeit „Goodbye“ zu sagen.

Noch etwas. Das größte Problem der Dragons der letzten Saison war in meinen Augen die Weakside:
Defensiv, weil die Dragons mit Fenn, Grünheid, King und Peavy vier Big Men in der Rotation hatten, die schlechte Help-Defense gespielt haben. Da wurde sehr häufig zu spät oder gar nicht geholfen oder geholfen, wenn keine Hilfe nötig war. Auch Help the helper und darauf aufbauende Defense-Rotationen waren mitunter nur bedingt erstligareif. Dabei sind die vier gar nicht so schlechte – wenn auch nicht überdurchschnittliche – individuelle Verteidiger. Aber in Sachen Team-Defense kann man sich eine Kombination aus diesen vier Spielern eigentlich nicht mehr erlauben. Vor allen Dingen, wenn man mit Thomas und Hilliard (der individuell gegen Foster allerdings nen riesen Job im Viertelfinale gemacht hat!) zwei individuell weniger talentierte und mitunter faule Verteidiger im Team hat, die selber gerne den entscheidenden Schritt in der Help-Defense zu spät kommen. Als Konsequenz dieser Schwäche sollten die Dragons in meinen Augen höchstens zwei dieser vier Spieler halten. Da Peavy offensiv sehr stark ist und Grünheid unter Umständen allein wegen der Quote gehalten wird bzw. werden muss, stehen wahrscheinlich (oder nach meinem Empfinden, das sich allerdings eher selten mit der Koch’schen Team-Zusammenstellung deckt) Fenn und/oder King zur Disposition. Da King eine sehr gute Saison in der Offense abgeliefert hat, sollte man sich von Fenn trennen und einen spielintelligenten, defensiv talentierten Big Men verpflichten. Dieser müsste offensiv nur die freien Dinger rein machen oder den freien Mann finden, mehr würde ich nicht von ihm verlangen.
Offensiv, weil die Dragons den Ball zu langsam und sich auf der Weakside zu wenig bewegt haben. Das war vor allen Dingen gegen Bamberg offensichtlich, aber auch gegen andere Spitzenteams neigten die Dragons hier zur Lethargie. Wobei ich über die Offense eigentlich wirklich nicht meckern will oder muss (obwohl mir ein anderer Spielstil mehr gefallen würde, aber Koch hat nun einmal gerne nen scorenden PG), das war nur im Halbfinale wirklich ein großes Problem der Dragons.

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