NCAA Teampreview 2012/13: Michigan State Spartans

In nicht einmal einem Monat geht die Saison im College-Basketball wieder los, weshalb es an der Zeit ist, einen Blick auf ein paar ausgewählte Teams der Division I zu werfen. Den Anfang machen die Michigan State Spartans.

Ein Ausblick auf das Basketball-Team der Michigan State University 2012/13 kommt zunächst nicht ohne einen Rückblick auf den herausragenden Spieler der Spartans 2011/12 aus: Draymond „Day Day“ Green. Der All-American und Big Ten Player of the Year führte sein Team als Captain zur Big Ten Championship und ins Sweet Sixteen des NCAA-Tournaments. Mit seiner Vielseitigkeit füllte Green dabei als Point-Forward viele Rollen im Team aus: Gegen die Fullcourt-Presse von Rick Pitinos Louisville Cardinals brachte der Senior im Sweet Sixteen den Ball, knackte mit seinen intelligenten Pässen vom High-Post viele Zonenverteidigungen und trug sein Team offensiv durch seinen Wurf, sein starkes Post-Play sowie seine Second-Chance-Punkte. Außerdem holte Green defensiv – mehr durch seinen Instinkt als durch körperliche Überlegenheit – unglaubliche 30% aller Rebounds für sein Team. Was ihn jedoch noch vor allen anderen Dingen auszeichnete, war seine Leadership. Coach Tom Izzo lobte seinen Captain stets in höchsten Tönen für sein Engagement auf und abseits des Courts.

Nach dem Abgang dieses Fixpunktes stellt sich für die Saison 2012/13 somit die Frage, inwieweit das Team die Leistung Greens auffangen kann. Die Fragestellung impliziert auch gleich die Antwort darauf, denn einem einzelnen Spieler aus dem Roster der MSU wird dies nicht gelingen können. Dafür sind Greens Fußstapfen einfach viel zu groß. Somit liegt es am Team, diese zu füllen.

Im Backcourt wollen dafür Keith Appling (Jr.), Russel Byrd (So.), Branden Dawson (So.), Brandan Kearney (So.), Travis Trice (So.) und die Freshmen Gary Harris und Denzel Valentine sorgen.
Der „gelernte“ SG Keith Appling wird das zweite Jahr in Folge der etatmäßige PG der Spartans sein. Für einen tieferen Run im NCAA-Turnier als in der letzten Saison muss vor allen Dingen Appling die ihn erwartende größere Rolle – auch als Leader – annehmen. Gegen Peyton Siva und die aggressive Presse der Cards im Sweet Sixteen tauchte er völlig ab und verlor die Kontrolle über das Spiel. Appling muss mit seiner Schnelligkeit in der kommenden Saison aggressiver den Korb attackieren um selber abzuschließen oder seine Mitspieler bedienen zu können. Wenn sein Wurf zudem noch etwas sicherer fällt (seine eFG von 47% war nicht besonders erbaulich) und er in kritischen Situationen intelligenter und mit mehr Übersicht agiert, ist er für mich der Kandidat Nr. 1 auf DIE Überraschung in der Big Ten.
Travis Trice wird in seiner Sophomore-Season, wenn er nicht neben Appling starten sollte, als 6th-Man und Combo-Guard von der Bank kommen. Trice verfügt im Team der Spartans wohl über den besten Schuss vom Halbkreis und ist die erste Option auf der 1 nach Keith Appling.
Hier stellt sich allerdings die Frage, inwieweit Izzo Freshman Denzel Valentine als Aufbauspieler einsetzen wird. Der junge Small-Forward, der von vielen Spartan-Anhängern und Journalisten als eine schnelle und athletische Variante von Draymond Green bezeichnet wird, ist aufgrund seiner Vielseitigkeit auf allen Backcourt-Positionen einsetzbar. Wenn er noch an seinem Wurf arbeitet und etwas Muskelmasse zulegt, ist er für mich eines der wenigen NBA-Prospects, die die Spartans in den letzten Jahren hervorgebracht haben (seit 2006 waren es tatsächlich nur Goran Suton und Draymond Green). ESPN rankt ihn übrigens auf Platz 98 seiner Rekruten-Klasse – mal sehen wer Recht behält.
Ganze 87 Plätze weiter vorne findet sich in diesem Ranking Gary Harris, der definitv ein NBA-Prospect ist und bei den Spartans über kurz oder lang auf der 2 starten wird. Harris ist ein unglaublicher Athlet, groß, schnell und kann aus der Nah- und Mitteldistanz aus allen Lagen punkten. Er ist mit seiner starken Penetration wohl der Prototyp eines Slashers und der künftige Star der Spartans. In der Defense trieb er seine Gegner an der High-School durch seine schnellen Hände und Beine regelmäßig zur Verzweiflung und geht offensiv und defensiv immer da hin, wo es weh tut: „He wants to hit or get hit on every possession.“ (Paul Biancardi, ESPN) Harris wird aufgrund seines herausragenden Talents und seiner Einstellung ein sehr wichtiger Baustein für Izzo in der kommenden Saison werden. Lediglich sein Distanzwurf könnte noch zuverlässiger fallen.
Von seiner Verletzung hoffentlich völlig genesen, wird Branden Dawson auf der 3 starten. Dawson ist ein körperlich sehr starker und athletischer Spieler mit ähnlichen Stärken und Schwächen wie Harris. Aufgrund seiner Schnelligkeit wird er es seinen Gegenspielern schwer machen, außerdem reboundet er für einen SF seht stark. Kann in einem kleinen Line-Up auch die 4 spielen. Sein Distanzwurf ist im Moment wohl Dawsons größte Schwäche, an der er auch in der vergangenen Off-Season aufgrund seiner Verletzung nicht wirklich arbeiten konnte. Ist er jedoch zu 100% fit, stehen Izzo mit Harris und Dawson zwei sehr agile und physisch starke Flügelspieler zur Verfügung, mit denen er das Spiel schnell wird machen können.
Die beiden Sophomores Russel Byrd und Brandan Kearney spielten in der vergangenen Saison ungefähr fünf und zehn Minuten pro Spiel. Sie werden, angesichts des viel versprechenden Mix aus erfahrenen Spielern (Appling, Trice, Dawson) und Talenten (Harris, Valentine), auch in der kommenden Spielzeit wohl nicht viel mehr Spielzeit sehen.

Im Frontcourt gilt es vornehmlich die Rebounds, die Green in der letzten Spielzeit fast noch im Alleingang eingesammelt hat, jetzt auf mehrere Schultern zu verteilen und die Pässe von den Mitspielern zu verwerten. Die Rotation besteht hier aus Alex Gauna (So.), Derrick Nix (Sr.), Adreian Payne (Jr.) und Freshman Matt Costello.
Freshman Kenny Kaminski, der als Stretch-Four eine extrem wichtige Rolle für die Spartans hätte spielen können, wird aufgrund einer Schulterverletzung wahrscheinlich redshirten.
Somit werden wohl Payne und Nix nebeneinander starten. Payne, der auf beiden Positionen im Frontcourt eingesetzt werden kann, hat nach dem Abgang von Green alle Möglichkeiten eine sehr starke Saison zu spielen. Mit mehr Ballkontakten und stärkerem Selbstvertrauen als zentrale Anspielstation im Post ist dem athletischen Big Man einiges zuzutrauen. Payne kann sowohl im Low-Post mit dem Rücken zum Korb als auch im High-Post mit Gesicht zum Korb agieren, hat ein passables Midrange-Game und kann aufgrund seiner Schnelligkeit den Break laufen. Defensiv besticht er durch seine Sprungkraft und seinen Instinkt bleim Blocken und ist ein guter Rebounder. Allerdings neigt Payne mitunter zur Lethargie und hält seine Konzentration nicht immer über 40 Minuten hoch. Daran wird er arbeiten müssen.
Sein Kollege Derrick Nix hat im Sommer an sich gearbeitet, nachdem er wegen Autofahrens unter Drogeneinfluss und Marihuana-Besitzes auf unbestimmte Zeit suspendiert wurde. Im August erklärte er daraufhin, dass er sein Leben ändern wolle und Vegetarier werde. Sollte Nix dabei ein paar Kilo verlieren, stünde ihm das sicher gut zu Gesicht. Nicht umsonst sprach Izzo stets davon, dass Nix abnehmen und in Form kommen müsse. In der kommenden Saison wird Nix wahrscheinlich neben Payne starten und damit er ein ganzes Spiel durchhält, muss er definitiv an seinem Körper arbeiten. Offensiv ist sein Spiel auch in seinem vierten College-Jahr eher roh: Ohne ein Arsenal an Postmoves oder einem Geschwindigkeitsvorteil, verlässt sich Nix in erster Linie auf seine Kraft und Masse, die er mit dem Rücken einsetzt, um in Korbnähe zu kommen. Zudem wird er als Senior auch von seiner Erfahrung profitieren können. Ob er eine Rolle als Leader einnehmen wird können, hängst stark von seiner Leistung auf und neben dem Parkett ab. Für die Spartans wäre ein erfahrener Leader auf jeden Fall wichtig. Defensiv arbeitet Nix solide am Brett und hält seine Gegenspieler durch seine Masse von der Zone fern.
Besonders tief ist die Rotation im Frontcourt der Spartans nicht, kommen nach Nix und Payne doch lediglich Alex Gauna, der in der abgelaufenen Saison nicht mehr als fünf Minuten im Schnitt auf dem Parkett stand, und Freshman Matt Costello. Gauna ist physisch stark, setzt seinen Körper aber noch nicht schlau genug in der Zone ein. Er punktet lieber mit seinem akzeptablen Midrange-Game. Letzteres besitzt auch Matt Costello, der auf beiden Frontcourt-Positionen spielen kann und früher oder später die erste Option hinter Nix und Payne werden wird. Seine Stärken liegen aktuell im High-Post, wo er mit dem Gesicht zum Korb spielen oder per Spin-Move mit dem Rücken zum Korb punkten kann. Außerdem besitzt er ein feines Auge für seine cuttenden Mitspieler, die er gerne und viel vom High-Post bedient. Inwieweit er defensiv auf College-Niveau dagegen halten kann, wird sich zeigen müssen.

Die Stärken des Kaders der MSU 2011/12 liegen auf der Hand: Mit den schnellen und defensiv starken Appling, Trice, Harris, Valentine, Dawson und Payne lässt sich ein Spielstil etablieren, der eher ungewöhnlich für die Big Ten ist: aggressive Defense und schnelles Umschalten von Angriff auf Verteidigung. Wer denkt, Fast Breaks werden in der B1G nicht gelaufen, könnte sich in der nächsten Saison von den Spartans eines Besseren belehren lassen: Der Kader schreit geradezu danach, das Spieltempo zu erhöhen und auf leichte Punkte aus Überzahlsituationen zu setzen. Vor allen Dingen Appling und Harris werden enorm viel Druck auf die ballführenden Spieler ihrer Gegner ausüben können, wenn die Jungs hinter ihnen vernünftig aushelfen und in der Verteidigung rotieren. So könnte die Defense in der nächsten Spielzeit einmal mehr das Prunktstück eines Izzo-Teams werden und die Schnelligkeit des Teams wird es erlauben, direkt Kapitel daraus zu schlagen. Im Halbfeld können die Spartans mit den schnellen und abschlussstarken Appling, Harris und Dawson den Korb attackieren oder ein Inside-Game mit den physisch überlegenen Nix und Payne aufziehen.

Die Schwächen der Spartans liegen leider ebenso deutlich auf der Hand: Durch das Fehlen von starken Dreierschützen können es sich die Gegner erlauben, ihre Verteidigung zusammen zu ziehen und die Zone dicht zu machen. Hier MUSS eine Entwicklung von Appling kommen, sonst gibt es im Backcourt nur Trice als echten Shooter. Die Verletzung von Kenny Kaminski als Stretch-Four tut hier ihr Übriges, die Spartans werden es in Korbnähe eher schwer haben. Hinzu kommt noch der Mangel an Erfahrung im Team: Nix ist der einzige Senior und hat sich bisher nicht wirklich als Leader hervorgetan. Keith Appling und Adreian Payne sind die Juniors im Team und müssen dementsprechend Verantwortung übernehmen. Hier kommt es vor allen Dingen auf Appling an, seine Entwicklung wird über die Leistungsfähigkeit der Spartans entscheiden.

Depht Chart
Appling/Trice
Harris/Kearney/Byrd
Dawson/Valentine
Nix/Gauna
Payne/Costello

Was kann man also von den Michigan State Spartans in der kommenden Spielzeit erwarten? Die Big Ten ist qualitativ wohl so tief wie keine andere Conference im Lande (die ACC wird mit Syracuse und Notre Dame ab 2013 sicher noch tiefer sein), Michigan, Indiana und Ohio State sind ernsthafte Konkurrenten im Kampf um die B1G-Championship. Aufgrund des Mangels an Erfahrung und an starken Shootern gehe ich davon aus, dass sich die Spartans hinter den Hoosiers und der OSU in der Big Ten werden einreihen müssen. In der March Madness tippe ich allerdings auf ein Erreichen der Elite Eight, Keith Appling sei Dank.

In der nächsten NCAA-Teampreview wird es um Elias Harris‘ Gonzaga Bulldogs gehen.

Getaggt mit , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: