FC Bayern: Ali bumaye!?

Dirk Bauermann wurde Anfang September in der Online-Ausgabe der BILD mit den Worten zitiert:

Eines haben wir uns für dieses Jahr vorgenommen, insbesondere für die Heimspiele. Wir wollen für noch mehr Stimmung sorgen, schneller hinten raus spielen, aggressiver im Übergangsspiel sein. Im letzten Jahr haben wir im Schnitt 75 Punkte erzielt, dieses Jahr wollen wir im Schnitt über zehn Punkte mehr machen. Wir wollen unsere Gegner überrennen wie einst Muhammad Ali in seinen Boxkämpfen.

So wie einst Ali also. In den vergangenen Jahren hing den Bauermann-Teams stets der Ruf an, das Spiel zu verlangsamen (oder, je nach Lesart, zu zerstören), indem man harte Defense spielt, Fast-Breaks abbricht, um ins Setplay überzugehen und dann offensiv die 24-Sekunden bis auf’s Letzte ausschöpft. Inwieweit diese Klischees tatsächlich der Wahrheit entsprechen, soll und muss an dieser Stelle unbeantwortet bleiben. Tatsache ist jedoch: In der vergangenen Saison spielten nur sechs Teams langsameren Basketball als der FC Bayern mit seinen durchschnittlich 71,24 Ballbesitzen pro Spiel (eigentlich: auf 40 Minuten hochgerechnet, BBL-Durchschnitt: 72,22). Vor den Bayern lag von den „langsameren“ Teams nur ALBA Berlin in der Tabelle, das seinen 3. Platz einem hervorragenden Offensive Rating von 81,69 (auf 70 Possessions) zu verdanken hatte. Zumindest im Vergleich zur BBL-Spitze waren die Bayern also in der Tat relativ langsam unterwegs. In der Presse hieß es zum Bauermann-Rauswurf mitunter, nach der Viertelfinal-Niederlage gegen die Artland Dragons sei man in der Führungsetage mit dem sportlichen Ergebnis nicht zufrieden gewesen und erwarte für die kommende Saison eine deutliche Steigerung. In diesen Zusammenhang ließe sich auch Bauermanns Aussage in der BILD setzen: Mit dem neuen Personal um Rice, Halperin, Roberts und Thomas ist man offensiv wesentlich potenter als in der letzten Saison und in der Lage, auch schnellen Basketball spielen zu lassen, was ebenfalls Wunsch der Vereinsführung gewesen sein soll (Bernd Rauch spricht hier – etwas unbeholfen – von den zwei „Systemen“ im Basketball: dem offensiven und dem defensiven). Bauermann stand also unter dem Druck attraktiver und erfolgreicher Basketball spielen zu lassen, man suchte sich hochkarätige Gegner wie CSKA Moskau, Zalgiris Kaunas und ALBA Berlin als Gegner in der Vorbereitung. Das Ergebnis war nach fünf von acht verlorenen Spielen ernüchternd (zumindest gilt das für die Spiele, die über ein Scouting ausgewertet werden konnten): Die Bayern hatten im Schnitt lediglich 65,50 Ballbesitze. Damit waren sie in der Vorbereitung auf eine Saison, in der sie die Gegner wie Muhammad Ali überrennen wollten, noch einmal fünf Ballbesitze langsamer als in der letzten Saison. In der sie wohlgemerkt beim Spieltempo schon unter Liga-Schnitt lagen. Und die Bayern waren in der Offensive auch ineffektiver: Pro Ballbesitz erzielten die Bayern in der Vorbereitung 1,04 Punkte – in der letzten Saison waren es 1,08 Punkte. Die Bilder vom BEKO Leagues Cup unterstützen diese Zahlen, häufig dribbelte Rice ein Loch ins Parkett oder der Ball kam, wie in der letzten Saison, zu Homan in den Post. Schnell, attraktiv und effektiv geht anders. Natürlich gilt es dabei zu berücksichtigen, dass Bauermann auf Foster verzichten musste und einige Spieler erst sehr spät zur Mannschaft stießen. Aber dem vorhanden Spielermaterial einen schnelleren Ball beizubringen, hätte trotz der unruhigen Vorbereitung funktionieren können/müssen. Ein Spieler wie Tyrese Rice kann das eigentlich instinktiv, siehe die schnellen Artland Dragons 2010/11 (73,12 Ballbesitze) mit ihm als Point-Guard. Das scheint Bauermann nicht gelungen zu sein.
Über die Hintergründe seiner Entlassung gibt es (z.B hierhier und hier) verschiedene Vermutungen. Ohne mich übermäßig an diesen Spekulationen beteiligen zu wollen, lässt sich unter anderem anhand der Zahlen zeigen, dass Bauermann sein selbst formuliertes Ziel eines schnellen und attraktiven FC-Bayern-Basketballs in der Vorbereitung weit verfehlte und damit wahrscheinlich angezählt war. Was letztendlich zum Knockout führte, muss wohl Spekulation bleiben. Eine wirkliche Aufklärung abseits der gängigen Worthülsen ist vorerst nicht zu erwarten. Bleibt die Frage, ob der bisherige Assistant-Coach Yannis Christopoulos, der die Geschicke des FCB bis zum Saisonende leiten soll, erfolgreicheren und schnelleren Basketball spielen lassen kann. Kann er dies nicht, gibt es vermutlich einen erneuten Rumble in the Jungle bei den Bayern und Hoeneß wird sich nach einem europäischen Schwergewicht umsehen.

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