NCAA-Teampreview 2012/13: Indiana Hoosiers

Die fünfte Teampreview der kommenden College-Saison widmet sich dem großen Favoriten auf die Championship: den Indiana Hoosiers.

„Endlich“, möchte man sagen. Endlich sind die Indiana Hoosiers wieder da, wo sie als eines der ganz großen Programme im College-Basketball hin gehören. Als Cody Zeller und Christian Watford im April verkündeten, dass sie für ein weiteres Jahr an ihre Uni zurückkehren würden, war klar, dass die lange Reise der Hoosiers zurück an die Spitze der NCAA enden würde. Seitdem überschlugen sich die Prognosen, ein regelrechter Hype entstand um das Team um Headcoach Tom Crean und alle waren sich einig: Indiana ist der Favorit, sich am 8. April in Atlanta (Georgia) die Krone des College-Basketballs aufzusetzen. Und die Zeichen dafür stehen tatsächlich gut, denn Indiana bietet einen fantastischen Mix aus Veteranen, All-American-Kandidaten und talentierten Froshs. Und wie heiß das ganze Umfeld der Hoosiers darauf ist, wieder zur nationalen Spitze zu gehören und ein großes Team zu sein, sah man im Dezember nach dem Gamewinner von Watford gegen den großen Rivalen, die Kentucky Wildcats:

Im Backcourt wird Freshman Kevin „Yogi“ Ferrell auf der 1 starten. Ferrell gilt als kompletter Point-Guard, der – mit einem guten Wurf und starkem Ballhandling – sowohl scoren als auch seine Mitspieler in Szene setzen kann. Er selbst sieht seine Rolle im Team so:

“I like to think of myself as a leader on the court. I always give it 100 percent. I try to find different guys and give them the ball where they need it. I think I’m a true point guard, and I always want my teammates to be happy. I want to lead the team to victory every night, that’s the biggest thing.”

Ein solcher Leader auf der 1 ist das, was den Hoosiers zum absoluten Spitzenteam fehlte. Durch seine hohe Spielintelligenz und sein Gespür für die Laufwege der Mitspieler ist der Guard aus Indianapolis (Indiana) vom Start der Saison an quasi unersetzlich für das Team von Tom Crean.
Jordan Hulls, der in der letzten Saison als PG die Geschicke der Hoosiers auf dem Parkett gelenkt hat, wird wahrscheinlich neben Ferrell als zweiter PG auflaufen. Hulls ist mit 1,83 für die 2 zwar undersized, ist aber der beste Schütze im Team (74% eFG!). Auch er verfügt über einen hohen Basketball-IQ, mit dem er seine körperlichen Schwächen, der Senior ist weder besonders schnell noch athletisch, mehr als wett machen kann. Gearbeitet hat er gegen Ende der letzten Saison und im Sommer an seiner Fähigkeit, sich seinen eigenen Wurf aus dem Dribbling zu kreieren. Kann er sein Spiel um diese Dimension und eine bessere Defense erweitern, bleibt der Lokalmatador aus Bloomington (Indiana) ein wichtiger Faktor im Backcourt.
Hinter Hulls und Ferell hat sich Remy Abell in der vergangenen Saison seinen Platz in der Backcourt-Rotation erkämpft. Durch seine Produktivität in der Offense und seine starke On-Ball-Defense füllte er die Lücke, die sich zwischenzeitlich durch eine Verletzung vom inzwischen graduierten Verdell Jones III ergab, unerwartet gut. In dieser Saison wird Abell definitiv mehr Minuten in der Guard-Rotation von Tom Crean sehen.
Wie Spielzeit sich Maurice Creek verdienen kann, wird sich zeigen müssen. Der offensiv einst so viel versprechende Guard hat sich nie wirklich von seiner Knieverletzung aus dem Jahr 2009 erholen können. Hält das Knie, könnte er ein Joker für die Hoosiers werden.

Im Frontcourt wird vermutlich Swingman Victor Oladipo auf der Small-Forward-Position starten. Im vergangenen Jahr startete Oladipo noch neben Hulls auf der 2, der explosive Flügelspieler aus Upper Marlboro (Maryland), kann mit seiner Athletik jedoch durchaus auch auf der 3 bestehen. Defensiv sowieso, in der letzten Saison verteidigte Oladipo unter anderem auch Power-Forward Draymond Green von den Michigan State Spartans. Offensiv verfügt er über einen sehr schnellen Antritt und ist in der Lage auch gegen größere Verteidiger in Korbnähe abzuschließen. Um sein Spiel in der Offense zu komplettieren, sollte Oladipo an seinem Jumpshot arbeiten. Der fiel in der vergangenen Saison mitunter gar nicht.
Lockdown-Defender. Das ist das Stichwort, das dem Beobachter bei SF Will Sheehey als erstes in den Sinn kommen sollte. Der athletische Sheehey liebt die Defense und ist sich auch für’s Grobe nicht zu schade. Sheehey arbeitet gut im Rebound, ist offensiv vielseitig und wird durch seine Attitüde, die er für die Hoosiers auf das Parkett bringt, einige Minuten auf der 3 oder sogar 4 sehen.
Auch Jeremy Hollowell verspricht sich gleich in seinem ersten Jahr für die Hoosiers Spielzeit. Und das mit Recht, kann der vielseitige Hollowell doch auf beiden Forward-Positionen eingesetzt werden. Er besitzt sowohl Range als auch die Fähigkeit seinen Gegenspieler aufzuposten, was ihn sehr wertvoll für Tom Crean’s Offense machen könnte.
Der Held im oben verlinkten Youtube-Clip ist Power-Forward Christian Watford. Watford ist als Stretch-Four in etwa der kongeniale Partner von Cody Zeller, der die Verteidigung auseinander zieht und seinem Center den nötigen Raum unter dem Korb verschafft. Mit einer Quote von über 40% und Nerven aus Stahl darf sich kein Team erlauben, den Forward aus Birmingham (Alabama) am Halbkreis alleine stehen zu lassen. Aber auch in Korbnähe kann Watford punkten. Verbessern könnte er sich beim Rebound und in der Defense, obwohl sein Spiel in diesen Bereichen sicher nicht unterdurchschnittlich ist. Watford ist neben Ferrell und Superstar Cody Zeller die Schlüsselfigur der Hoosiers, seine Rückkehr ans College für sein letztes Jahr war äußerst wichtig um aus dem Team in crimson and cream einen echten Contender zu machen.
Hinter Watford wird wieder Derek Elston seine Minuten bekommen. Der Power-Forward aus Tipton (Indiana) trifft als Stretch-Four zuverlässig die wenigen Würfe, die er in der Offense der Hoosiers bekommt. Sein Schwachpunkt liegt allerdings in der Defense, Elston ist kaum in der Lage seine Gegenspieler ohne Foul vor sich zu halten.
Und dann ist da noch der absolute Superstar und sichere Kandidat auf den Titel des besten College-Spielers: Cody Zeller. Der Center zeigte bereits in seinem Freshman-Jahr eine beeindruckende Performance und seine überragende Ausbildung. Ob unter dem Korb oder aus der Mittel- oder Ferndistanz: Zellers offensives Game ist komplett, er kann eigentlich alles. Dazu kommt seine Schnelligkeit, mit der er den Break laufen kann und die Muskelmasse, die er sich im Sommer drauf gepackt hat. Der Center aus Washington (Indiana) verfügt außerdem über einen hohen Basketball-IQ und Passfertigkeiten, durch die er seine Mitspieler gut aus dem Double-Team bedienen kann. Außerdem hat er eine fabelhafte Einstellung zum Spiel, mit der er sich und sein Game stets verbessert hat. Kurz gesagt, ist Zeller völlig berechtigt der Star der kommenden College-Saison. In meinen Augen noch deutlich vor Nerlens Noel (Kentucky Wildcats) und Shabazz Muhammad (UCLA) – falls letzterer überhaupt seine Spielberechtigung erhält. Zeller steht geradezu exemplarisch für die Entwicklung des klassischen Big Man zu einem spielerisch vielseitigen Basketballer und ist der wichtigste Faktor in der Rückkehr der Hoosiers zur nationalen Spitze.
Die beiden Frosh-Bigmen Hanner Mosquera-Perea (PF) und Peter Jurkin (C) hingegen werden wegen einer Sperre für neun Spiele erst später in der Saison angreifen können. Sie sind „Opfer“ der NCAA-Eligible-Rules geworden, weil sie im Sommer mit einem Coach trainiert haben, der vor über 20 Jahren 185$ an den Varsity-Club der Uni von Indiana gespendet hat. Ich spare mir an dieser Stelle die bösen Zeilen und hebe sie mir für einen generellen Rant gegen das NCAA-System zu späterem Zeitpunkt auf.

Die Stärken dieses Teams aus Bloomington liegen klar auf der Hand. Zum einen gibt es wohl kein zweites Team im Land, das offensiv ähnlich talentiert wäre wie die Indiana Hoosiers. Mit Zeller als Fixpunkt haben sie einen Bigman, der von jeder Position auf dem Court punkten kann. Die Hoosiers können ein Inside-Game aufziehen, in dem Zeller entweder punkten oder seine Mitspieler auf den Außenpositionen bedienen wird. Mit Watford und Hulls warten zwei exzellente Schützen am Halbkreis, Oladipo kann mit seinem Drive weitere Verteidiger auf sich ziehen. Yogi Ferrell ist der Schlüssel, mit seinen Pässen und seiner Court-Vision kann er die Offense der Hoosiers initiieren. Zum anderen ist wohl kein zweites Team so tief wie Indiana: Tom Creans Rotation könnte – college-basketball-untypisch – eine Rotation von bis zu 12 Spielern umfassen, er verfügt auch auf den hinteren Rotationsplätzen aufgrund der Recruiting-Class und Joker Creek über viel Talent.

Wie in der vergangenen Saison könnte es die Defense sein, die den Indiana Hoosiers im März einen Strich durch die Rechnung macht. Zwar verfügt Crean mit Abell, Oladipo, Sheehey und Zeller über gute Verteidiger, aber der Rest des Teams hat an diesem Ende des Feldes seine Schwächen. In der prognostizierten Startformation stünden damit nur Oladipo und Zeller als gute Verteidiger. Hier wird Crean mit seinem Team arbeiten müssen, um die Schwächen in der On-Ball-Defense einzelner Spieler zu einer gut funktionierenden Team-Defense zu wandeln. Ein hartes Stück Arbeit, aber vielleicht gewinnt am Ende ja eh die Offense die Championships…?!

Depht Chart
Ferrell/Abell
Hulls/Creek
Oladipo/Sheehey/Hollowell
Watford/Elston/Mosquera-Perea
Zeller/Jurkin

Erwartung? Ganz klar, die NCAA- und Big-Ten-Championship. Die Indiana Hoosiers sind zu gut, um irgend ein anderes Ziel auszugeben. Ein Aus vor dem Final Four Anfang April wäre definitiv ein Misserfolg für das Team von Tom Crean. Daran wird er sich messen lassen müssen, der basketballverrückte Staat sehnt sich danach, wieder zur College-Elite zu gehören. Nach meiner Einschätzung werden die Hoosiers definitiv zu den letzten vier Teams gehören. Und an dem Wochenende kann dann alles passieren.

In der nächsten Teamvorstellung geht es um meinen persönlichen Favoriten auf die Championship, die Louisville Cardinals von Rick Pitino.

Getaggt mit , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: