NCAA-Teampreview 2012/13: Louisville Cardinals

Mein ganz persönlicher Favorit auf die NCAA-Championship: die Louisville Cardinals.

Die größte Cinderella-Story der Saison 2012 boten die Louisville Cardinals, als sie – von vielen unerwartet – im April ins Final Four des College-Basketball einzogen. Zwar mutet es einerseits etwas seltsam an, bei den Cards mit Headcoach Rick Pitino von Cinderella-Story zu sprechen, andererseits war der Erfolg des Teams aus Louisville (Kentucky) aufgrund der Vorzeichen tatsächlich überraschend. So sah Pitino in der Mitte der Saison, als die Cards mehrere Niederlagen hintereinander hinnehmen mussten, eher die Winning Season in der Big East gefährdet, als dass er sich Gedanken über die Postseason machte. Bis zum Beginn eben jener war die Saison des Teams von Rick Pitino durch zahlreiche Verletzungen seiner Spieler geprägt, aber als es drauf ankam, waren die Cards auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit. Im Sweet Sixteen schalteten sie mit Pitinos legendärer Ganzfeldpresse und verschiedenen Zonenvarianten – vor allen Dingen der Match-up-Zone – zunächst die Michigan State Spartans aus und im Elite Eight dann die Florida Gators um den jetzigen Wizard Bradley Beal, bevor sie im Final Four gegen den späteren Champ, die Kentucky Wildcats, den Kürzeren zogen. Zwar haben die Cards mit Kyle Kuric (jetzt CB Estudiantes) und dem jüngeren Bruder von New Yorks J.R. Smith, Chris Smith, zwei wichtige Spieler nach ihrem letzten College-Jahr verloren, der Rest der Truppe blieb jedoch zusammen. Für Pitinos komplexe Defense-Varianten ein unschätzbarer Vorteil und neben dem individuellen Talent der Spieler wohl der Hauptgrund dafür, dass die Louisville Cardinals als einer der Topfavoriten auf die Meisterschaft im College-Basketball gelten.

Senior Peyton Siva ist der unangefochtene Leader des Teams, wichtigste Stütze in Pitinos Guard-Rotation und einer der besten Point-Guards im College-Basketball. Siva stand geradezu exemplarisch für das Auf und Ab der Cards in der vergangenen Saison: In der ersten Saisonhälfte traf Siva fast keine Würfe vom Perimeter und verlor ungewöhnlich häufig den Ball. Nachdem Pitino sich seinen Point-Guard mit einem Haufen Steve-Nash-Videotapes zur Seite genommen hatte, lief es plötzlich rund für Siva. Er wurde im März zum MVP des Big-East-Tournaments ernannt und führte sein Team mit einer starken Performance ins Final Four des NCAA-Tournaments. Der junge Guard aus Seattle (Washington) ist ein kompletter Floor-General: Mit guter Übersicht, starkem Ballhandling und seiner Schnelligkeit ist Siva einerseits in der Lage den Ball zu pushen und das Spiel schnell zu machen, andererseits aber auch ein guter Point-Guard im Pick and Roll. Er ist stark und schnell genug, um auch gegen athletische Verteidiger in Korbnähe abzuschließen und verfügt über einen soliden Jumpshot. Defensiv ist Siva ebenfalls überdurchschnittlich, sonst wäre er nicht im Team von Rick Pitino.
Neben Siva wird vermutlich Russ Smith als zweiter Point-Guard starten, der den Cards in der vergangenen Saison mit seinen Leistungen auf beiden Enden des Courts so manches Spiel gewonnen hat. Als 6th-Man konnte Smith wie kaum ein anderer Spieler in der NCAA das Spiel seines Teams beeinflussen, seine Einwechslung wirkte häufig als Initialzündung. Mit seiner Aggressivität war Smith die sprichwörtliche Pest in der On-Ball-Defense und holte zahlreiche Steals für sein Team. Noch mehr als Siva versteht Smith das Spiel schnell zu machen und im Fast-Break abzuschließen. Zum Haare raufen waren dabei jedoch häufig seine Entscheidungen, sehr gerne nahm der Junior den erstbesten Wurf selber oder verlor unterwegs den Ball. Zwar war Smith nach Kuric der beste Scorer der Cards, dabei aber erschreckend ineffektiv (0,77 Points per Play). Zu schnell für sein Hirn, könnten boshafte Gemüter sagen. An diesem Punkt muss Smith ansetzen, um sich zum kongenialen Partner von Siva und die Cards zu einem Contender zu machen. Sonst könnte er sich schnell an der kurzen Leine von Rick Pitino wieder finden, um erneut als Büchse der Pandora zwischen Genie und Wahnsinn von der Bank zu kommen.
Von dort wird zunächst wohl Kevin Ware Siva und Smith entlasten. Nachdem Ware für die ersten Saisonspiele nicht von der NCAA zugelassen wurde, wurde er im vergangenen Jahr im Dezember von Pitino ins kalte Wasser geschmissen: Es gab einfach keine gesunden Guards mehr. Zwar konnte Ware zunächst überzeugen, nach kurzer Zeit war er mit der Situation bzw. der Spielweise der Cards jedoch überfordert. Dementsprechend sank seine Spielzeit im Verlauf der Saison wieder. Der sehr athletische Guard soll im Sommer jedoch hart an sich gearbeitet haben und zu einer ernsthaften Alternative im Backcourt gereift sein.

Auf der 3 könnte Transfer Luke Hancock von der George Mason University starten. Der vielseitige Small-Forward kann aufgrund seines Ballhandlings und seiner Passfertigkeit auch auf den Guard-Positionen spielen. Hancock wurde gleich in seiner ersten Saison für die Cards zum Co-Captain ernannt und soll mit seiner vorbildlichen Einstellungen auf und neben dem Feld das Team anführen. Besonders zeichnet den Junior seine hohe Spielintelligenz aus, mit der er offensiv wie defensiv seine mangelnde Athletik und Schnelligkeit durch geschicktes Stellungsspiel und Antizipation ausgleichen kann. Hancocks gefährlichste Waffe ist sein Jumpshot, den er vor allen Dingen als Spot-Up-Shooter traumhaft sicher verwandelt.
Auch Sophomore Wayne Blackshear hat das Potential auf der Small-Forward-Position zu starten, aber nach wie vor stellt sich bei ihm die Frage der Fitness. Im vergangenen Jahr plagte Blackshear sich mit einer Schulterverletzung, er konnte erst im Februar aktiv am Spielgeschehen teilnehmen und spielte dementsprechend auch nicht wirklich groß auf. Dabei besitzt er ein vielversprechendes Potential, mit seiner Athletik, Aggressivität und sehr physischen Spielweise könnte Blackshear ein wichtiger Baustein der Cards beim Rebound, in der Defense und im Zug zum Korb werden.
Nur sehr begrenzte Spielzeit am Ende der Rotation wird Angel Nunez erhalten.
Chane Behanan sollte eigentlich der Starting-Power-Forward der Louisville Cardinals werden. Eigentlich, denn in der Preseason hat er in den zwei Testspielen wegen einer Suspendierung  gar nicht erst mitgespielt. Dabei ruhte doch einiges an Hoffnung auf Behanan als einer der besten Punktesammler und Rebounder (10/8) der vergangenen Saison. Behanan ist trotz seiner eher geringen Größe für einen PF (1,98 m) ein starker Finisher am Korb. Er erarbeitet sich seine Offense durch Cuts, Post-Play, offensives Rebounding und einen Instinkt dafür, zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein. Sein größtes Problem ist leider seine Einstellung: Dem Sophomore fällt es schwer, seine Intensität auf einem hohen Level zu halten.
Und so wundert es nicht, dass Freshman Montrezl Harrell ihm in der Preseason mit starken Leistungen den Rang abgelaufen hat und wohl auch zu Beginn der Saison als Starter auf der 4 ins Rennen gehen wird. Harrell ist ein körperlich starker Athlet, der allein durch seine Sprungkraft immer ein guter Rebounder und offensiv gefährlicher Spieler in Korbnähe sein wird. Arbeiten muss er noch am Rest, sein Spiel ist noch sehr roh.
Einer der wichtigsten Faktoren in der Defense von Louisville ist Bigman Gorgui Deng. Deng ist einer der stärksten Shotblocker der NCAA und wird sich ein Fernduell mit Nerlens Noel von den Kentucky Wildcats um den Titel des besten Shotblockers liefern. Dabei hat Deng als Junior den Vorteil, bereits über zwei Jahre Erfahrung auf diesem Level zu verfügen. Besonders sein Timing und seine Cleverness haben sich in diesen zwei Jahren gewaltig verbessert. Deng besitzt den Willen sich zu verbessern und ist somit nicht nur eine defensive Macht und Anker der Zonenverteidigung, sondern verfügt mittlerweile über eine solide Fußarbeit, ein kleines Arsenal an Postmoves und einen schönen Hookshot. Außerdem bewegt er sich ohne Ball mittlerweile sehr gut und ist aufgrund seiner Größe, Spannweite und Sprungkraft ein ausgezeichneter Rebounder an beiden Enden des Courts.
Hinter Deng besteht für Stephan Van Treese sich endlich zu beweisen. Im letzten Jahr war der Junior wegen einer Verletzung häufig zum Zuschauen verdammt und konnte sich so nie wirklich für eine größere Rolle unter Pitino empfehlen. Van Treese ist ein Hustle-Player, der um jeden Ball kämpft.
Ähnliche Attribute beschreiben auch das Spiel von Zach Price, der ebenfalls Minuten auf der 5 erhalten könnte.

Die Stärke der Louisville Cardinals ist ganz klar die variantenreiche Defense. Ob Ganzfeldpresse, Zonenvarianten oder Man-to-man: Im Repertoire der Cards kommt alles vor. Von großem Vorteil ist dabei einerseits die Rückkehr zahlreicher Leistungsträger an ihre Uni, die die Defense kennen und bereits verinnerlicht haben. Andererseits stehen im Kader der Cards ultraaggressive On-Ball-Defender, die dem gegnerischen Aufbau das Leben sehr schwer und die eigene Offense schnell machen können. Und unter dem Korb wartet Guorgi Deng.

Schlagen können sich die Cards vor allen Dingen selbst durch ihre größte Schwäche: die Turnover. Die Guards Peyton Siva und Russ Smith neigen immer wieder zu unnötigen Ballverlusten und machen sich damit das Leben in der Offense schwer. Beide treffen mitunter sehr schlechte Entscheidungen, auch in der Crunchtime. Können die Guards diese Schwäche abstellen, wird es sehr schwer die Louisville Cardinals zu schlagen.

Depht Chart
Siva/Ware
Smith/
Hancock/Blackshear/Nunez
Behanan/Harrell
Dieng/Van Treese/Price

Die Louisville Cardinals sind in der Lage, ihren Titel in der Big East zu verteidigen. Kein anderes Team in dieser Conference kann mit dem Talent, der Erfahrung und der Aggressivität der Cards mithalten. Zeigen Siva und Smith im März wieder ihren besten Basketball, könnte es Anfang April der ganz große Wurf für das Team von Rick Pitino werden. Ich persönlich erwarte das sogar.

Da heute Abend die Saison im College-Basketball startet, soll es das mit den Teampreviews auch gewesen sein. Meine persönlichen Favoriten, die interessanten Teams für deutsche Fans und die Favoriten auf die NCAA-Krone wurden ja vorgestellt. Interessante Teams sind (in meinen Augen) außerdem: Ohio State, Michigan, North Carolina State, Duke, North Carolina und Creighton.

Let’s roll.

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