Deutsche in der NCAA 2012/13, Woche 1: Giffey, Harris, Heckmann, Standhardinger, Tolksdorf, Wolf

Unter dem Titel „Deutsche in der NCAA“ werde ich wöchentlich die Leistungen eben jener in aller Kürze zusammenfassen. Dabei schildere ich nur Beobachtungen aus den Spielen, die ich auch tatsächlich gesehen habe. Ins Blaue Statlines interpretieren oder sie einfach nur wiedergeben will ich hier nicht.

Niels Giffey (Connecticut Huskies)
Im Season-Opener der Huskies gegen die Michigan State Spartans wurde Gewissheit, was sich während der Preseason schon abzeichnete: Niels Giffey würde nicht zur Starting-Five des Teams des neuen Headcoaches Kevin Ollie gehören. Diesen Platz sicherte sich stattdessen Freshman Omar Calhoun mit starken Offensiv-Leistungen in den Exhibition-Games. Von der Bank kommend, wurde Giffey von Ollie dann auch noch auf der 4 eingesetzt – für den gelernten Shooting-Guard eine eher ungewohnte Situation (zumindest nach meiner Kenntnis). Im zweiten Spiel der Woche gegen Vermont offenbarten sich dann auch die Schwächen Giffeys auf der 4: Von physisch überlegenen Gegenspielern wurde er überpowert und sah defensiv beim Rebound nicht wirklich gut aus. Nach einer schlechten Defense-Sequenz, in der er die Baseline offen wie ein Scheunentor gelassen hatte, musste er sich anschließend mit seinem Coach auseinandersetzen und wurde prompt ausgewechselt. Offensiv punktete er jedoch aus dem Post-Up mit einem schönen rechten Hakenwurf und beschwerte sich im Spielverlauf sogar, dass er keine weiteren Anspiele im Post bekam. Überhaupt macht Giffey offensiv einen guten Eindruck, auch wenn sich das nicht unbedingt in der Statistik wiederspiegelt: Man sieht seinem Spacing und seinen Entscheidungen auf dem Court seinen hohen Basketball-IQ und die gute Ausbildung an, da könnten sich einige Spieler der Huskies ne Scheibe von abschneiden. Leider kann er bisher nicht davon profitieren, weil er auch kaum Anspiele bekommt. Wenn er allerdings welche bekommt, darf er nicht sich nicht den Ball klauen lassen, sobald er ein Dribbling beginnt. Diese – leider bekannte – Schwäche muss er unbedingt abstellen, sonst verhungert er am offensiven Ende des Courts. Wie sich Giffey unter Ollie entwickelt, bleibt abzuwarten. Allerdings bin ich sehr skeptisch, was seinen Einsatz auf der 4 angeht.

Elias Harris (Gonzaga Bulldogs)
Elias Harris zeigte gegen West Virginia, warum er ein besonderer Spieler ist: Obwohl er lediglich 11 Punkte erzielte, war er für mich einer der Besten auf dem Court. Mit einer fast schon stoischen Ruhe geht er ans eigene Werk und dirigiert außerdem seine Mitspieler – ganz gleich ob Center Przemek Karnowski oder Point-Guard Kevin Pangos. Er ist ein echter Leader geworden, der viel auf dem Court spricht und sein Spiel erweitert hat: Gegen West Virginia gefielen mir neben seiner Kommunikation vor allen Dingen seine Pässe, die der Scouter fälschlicherweise mit nur einem Assist notierte (tatsächlich waren es drei oder vier). Harris hat ne gute Übersicht und zwingt nichts, der hat einfach die Ruhe weg und macht seine Mitspieler besser.

Patrick Heckmann (Boston College Eagles)
Patrick Heckmann machte gegen Florida International am Sonntag offensiv genau das, was man von ihm erwartet: Die offenen Dreipunktewürfe treffen. Von der Bank kommend hatte er in diesem Spiel eine Sequenz, die exemplarisch für sein Spiel ist: Nachdem er defensiv richtig schlecht gegen seinen Gegenspieler ausgesehen hatte, traf er zwei Dreier hintereinander, die sein Team auf die Siegerstraße brachten. Gegen Baylor sah Heckmann leider schlecht aus (ich hab allerdings nur die zweite Halbzeit gesehen): Nach einer katastrophalen Defense leistete er sich einen Fehlpass und verlor dann beim Zug zum Korb den Ball. Mit dieser Kette leitete Heckmann den entscheidenden Run des Gegners ein und wurde folglich sofort wieder ausgewechselt.

Christian Standhardinger (Hawaii Warriors)
Meine Überraschung der Woche. Nachdem ich ihn ewig nicht habe spielen sehen, war ich über seine Spielweise gegen Houston Baptist doch positiv erstaunt: Mit so viel Intensität und Aufmerksamkeit in der Defense (unter anderem 5 Steals und gute Post-Defense) hatte ich nicht gerechnet. Auch offensiv überzeugte Standhardinger mich vor allem mit seiner Intensität und seinen harten Blöcken beim Screen and Roll. Harte Arbeit zahlt sich aus und so war er sehr häufig anspielbar und konnte entweder selber punkten oder seinen besser postierten Mitspieler bedienen. Ein rundum überzeugender Auftritt. Ich bin gespannt, wie er sich gegen Illinois und UNLV (mit Anthony Bennett) schlagen wird.

Leon Tolksdorf (Connecticut Huskies)
Leon Tolksdorf hat in Deutschland gegen Michigan State leider keine Einsatzzeit erhalten und beim Spiel der UConn Huskies gegen Vermont konnte man auch sehen, warum Kevin Ollie ihm noch nicht für einen längeren Einsatz auf dem Court vertraut: Zu häufig und zu einfach ließ Tolksdorf sich in der Defense nach simplen Körpertäuschungen überlaufen. Außerdem wirkte er in der Offense nicht immer zu 100% konzentriert.

Enosch Wolf (Connecticut Huskies)
Enosch Wolf hat gegen die Spartans ordentliche 11 Minuten auf dem Court gestanden und wurde offensiv in dieser Zeit vor allem als Passstation auf dem High-Post eingesetzt. Seinen einzigen Korbwurf erarbeitete er sich in dieser Situation selber, als kein Mitspieler zum Anspiel offen war. Defensiv hat Wolf noch echte Probleme: Wegen seiner fehlenden Masse weiß er sich in der Post-Defense und beim Rebound häufig nur mit einem Foul zu helfen, was sich vor allem gegen Vermont als absoluter Spielzeit-Killer erwies. In nur einer Minute Spielzeit foulte er seinen Gegenspieler zwei Mal und musste den Rest des Spiels von der Bank verfolgen. Ich hoffe, dass er weiterhin regelmäßig Spielzeit erhält und etwas cleverer in der Verteidigung agiert. Headcoach Kevin Ollie ist im Grunde dringend auf den deutschen 7-Footer angewiesen.

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