Deutsche in der NCAA 2012/2013, Woche 4: Giffey, Harris, Heckmann, Wolf

Auch in dieser Woche gibt es leider nur Beobachtungen zu Giffey, Harris, Heckmann und Wolf.

Niels Giffey (University of Connecticut)
Bei der Niederlage der Huskies gegen die gerankten North Carolina State Wolfpack wurde Giffey zunächst auf der 3 eingewechselt, um dann, nachdem DeAndre Daniels wegen Rückenproblemen ausgewechselt wurde, nach wenigen Spielminuten wieder auf die 4 zu rücken. Hier stand er CJ Leslie gegenüber, der ihm körperlich weit überlegen und einer der stärksten PFs der NCAA ist. Gegen diesen überzeugte Giffey durch eine aggressive und starke Deny-Defense, durch die er Leslie nur sehr selten im eins gegen eins verteidigen musste. Aber auch in der On-Ball-Defense gelang es Giffey meistens, seinen Gegenspieler zu kontrollieren. Die meisten seiner Punkte erzielte Leslie nach Rebounds – wo Giffey beim ausboxen mitunter Probleme hatte – oder Durchsteckern, weil Giffey gegen die Guards von NC State aushelfen musste. Mir gefällt weiterhin die Intensität und Aggressivität, die Giffey – egal auf welcher Position – an den Tag legt: Ob offensiv oder defensiv, er wirft sich nach den Loose-Balls und den Rebounds. Offensiv halte ich Giffeys Potential auf der 4 nach wie vor für vergeudet, er ist hier lange nicht so ins Spiel eingebunden wie auf der 3. Sehr schade.

Elias Harris (Gonzaga Bulldogs)
Im ersten echten Auswärtsspiel dieser Saison beim Derby gegen die Washington State Cougars konnten die Zags nur bedingt überzeugen. Vor allem Pangos und Stockton schien die Atmosphäre im Beasley Coliseum in Pullman zunächst merklich zu beeindrucken – nervöser Spielaufbau, vergebene offene Dreier und Ballverluste waren die Folge. Die Ruhe weg hatte einmal mehr Elias Harris mit einem überzeugenden Auftritt. Man darf mittlerweile wohl ruhigen Gewissens behaupten, dass er aufgrund seiner Vielseitigkeit zu den besten PFs im College-Basketball gehört. So war es Harris, der in den ersten paar Ballbesitzen der ersten Halbzeit sowie bei einigen Fast-Breaks als Point-Forward den Ball brachte und den Entry-Pass spielte oder gleich Coast-to-coast mit dem Drive abschloss. Auf dem Weg zum Korb verfügt Harris dabei über verschiedene Bewegungen wie den Euro-Step oder den Spin-Move, mit denen er an seinen Gegnern vorbei kommt und in Korbnähe hochprozentig abschließen kann. Mehrmals konnte er seinem Gegenspieler gegen Washington State auch noch ein Foul anhängen. Was ich bisher nicht von ihm gesehen habe, war der Kick-out-Pass beim Drive. Mit diesem konnte er am Mittwoch Pangos für den offenen Dreier bedienen. Dass Harris prinzipiell sowieso ein sehr starker Passer ist, zeigte er durch oben erwähnte Entry-Pässe, beim Pick’n’Roll mit Kelly Olynyk oder beim Inside-Out, als er im Post gedoppelt wurde. In der ersten Halbzeit konnte Harris unter dem Korb eigentlich schalten und walten wie er wollte, sein Gegner war in der Post-Defense heillos gegen sein offensives Arsenal überfordert. Dabei beweist Harris gute Übersicht: Wenn er den Ball in Korbnähe bekommt, geht er zunächst lehrbuchmäßig in die SPD-Stellung und entscheidet sich für die beste Option – das kann ein Pass, ein Wurf, der Drive oder das Aufposten sein. In der zweiten Halbzeit wurde er weitestgehend gedoppelt, wenn er den Ball bekam. Das öffnete Räume für Olynyk, der in Halbzeit zwei 22 Punkte erzielen konnte. Kritisieren will ich Harris offensiv lediglich für sein Zögern am Halbkreis: Mehrmals hatte er genug Platz für einen Wurf, mehrmals entschied er sich gegen diese Option. Vermutlich, weil er die ersten zwei Würfe von draußen nicht verwandeln konnte. Später fiel dennoch ein Dreier.
Auch defensiv überzeugte Harris zu großen Teilen durch seine Post-Defense und aggressives Doppeln, bei dem er mehrere Steals holen konnte. Für die Help-Defense kommt Harris sogar über das gesamte Halbfeld. Wenn er jetzt noch etwas schneller beim Recovern nach der Hilfe in der Pick’n’Roll-Defense gewesen wäre, hätte ich gar keine Kritikpunkte. Insgesamt aber erneut ein toller Auftritt von Harris auf All-American-Niveau.

Patrick Heckmann (Boston College Eagles)
Patrick Heckmann stand gegen Harvard als Sixth-Man relativ lange auf dem Court. Leider gelang es ihm in dieser Zeit erneut nicht, seine Zeile im Statistikbogen merklich zu füllen. Was äußerst schade ist, da er äußerst aktiv auf dem Court war und sich sehr viel und auch gut bewegte. Aber wieder einmal bekam Heckmann kaum Pässe von seinen Mitspielern. Wenn ich eine Szene richtig interpretiert habe, beschwerte er sich auch bei seinem Mitspieler – ich glaube es war Ryan Anderson – als dieser im Fastbreak lieber gegen zwei Gegenspieler punkten wollte, statt den Pass auf den mitgelaufenen und freien Heckmann zu spielen. Dabei würde sich das durchaus lohnen, denn Heckmann schneidet ziemlich gut zum Korb. Gegen Harvard erzielte er so auch seine einzigen Punkte. Momentan ist Heckmann in der Offense allerdings eher Passstation und dabei unterliefen ihm auch noch zwei Fehlpässe. Nach dem ersten wurde er von Headcoach Steve Donahue noch aufmunternd mit einem Klaps auf den Po belehrt – nach dem zweiten wurde Heckmann ausgewechselt. Trotzdem überzeugte er mich, denn in der Defense war er in der Matchup-Zone der Eagles für mich einer der wenigen, die das Prinzip überhaupt verstanden hatten. Heckmann kommunizierte viel und laut und dirigierte seine Mitspieler. Außerdem ging er mit gutem Beispiel und einer aggressiven On-Ball-Defense voran – solche Spieler braucht dieses Defense-System.

Enosch Wolf (Connecticut Huskies)
Dass er ein guter Spieler im Pick’n’Roll ist, konnte Enosch Wolf im Spiel gegen North Carolina State unter Beweis stellen. Wieder und wieder stellte er seinen Guards gute und harte On-Ball-Screens und rollte stark ab – in diesem Spiel bekam er auch die entsprechenden Pässe. Offensiv überzeugte Wolf außerdem erneut durch seine gute Arbeit am Brett, durch die er Tip-Ins erzielen oder den Ballbesitz für sein Team am Leben halten konnte. Dabei verwandelte er nach einem Offensive-Rebound sogar einen Fadeaway-Jumpshot gegen zwei Gegenspieler – zwar vielleicht nicht die klügste Wurfentscheidung, aber mit Selbstvertrauen gehen die Dinger dann eben rein. Und dieses holte sich Wolf durch seine zuvor gelungenen Aktionen.
Auch defensiv lieferte Wolf einen guten Auftritt mit starker Help-Defense, gutem ausboxen und mindestens einem Steal. Wenn er diese Auftritte konstant liefern könnte, wäre das Spiel der Huskies dauerhaft um eine gute Option bereichert. Ich drück’ die Daumen.

Deutsche in der NCAA, Woche 1
Deutsche in der NCAA, Woche 3

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