Deutsche in der NCAA 2012-2013, Woche 6: Bright, Giffey, Harris, Heckmann, Tolksdorf, Wolf

Willkommen in der Runde, Kevin Bright! Und Leon Tolksdorf war für die UConn Huskies nach seiner Knieverletzung auch wieder im Einsatz. Giffey, Harris, Heckmann und Wolf sind als übliche Verdächtige am Start.

Kevin Bright (Vanderbilt Commodores)
Zum ersten Mal konnte ich nun Kevin Bright von den Vanderbilt Commodores (Nashville, Tennesse) in Aktion sehen. Seine bisherigen Statistiken lesen sich ja sehr gut – er ist mit etwa 7 Rebounds pro Spiel der beste Rebounder im Team – und auch die Voraussetzung als Spieler mit Erfahrung auf höherem Niveau (Pro A mit Ehingen) in einem relativ unerfahrenen Team ist gut. So startete Bright für Vandy auf der 3 im Spiel gegen die Cornell Big Read und brachte sich gleich mit sehr guter Übersicht und starkem Passspiel (unter anderem ein schönes Alles-Oop-Anspiel auf Kedren Johnson) ein. Dieser Aspekt gefiel mir bei Bright wirklich gut: Selbstlos und mit gutem Auge stellte er sich in den Dienst der Mannschaft und bediente besser postierte Mitspieler. Weiter gefiel mir seine aggressive On-Ball- und Perimeter-Defense, mit der er sehr wertvoll für sein Team war. Ansonsten bewegte Kevin Bright sich beim Break und im Halbfeld gut und traf seine Spot-Up-Dreier, egal ob aus der Ecke oder von der verlängerten Freiwurflinie. Leise Kritik kann ich lediglich an Brights Help-Defense äußern, die auf mich das eine oder andere Mal wenig konsequent wirkte. Da hielt er seine Hand mehr oder weniger motiviert in Richtung Ball, ohne den penetrierenden Guard wirklich zu stören. Aber insgesamt ein wirklich überzeugender Auftritt von Bright als toller Rollenspieler in einem Team, in dem viel auf die Guards Kedren Johnson und Kyle Fuller ausgerichtet ist.

Niels Giffey (Connecticut Huskies)
Im Spiel gegen die Maryland-Eastern Shore Hawks wurde Niels Giffey bereits nach zweieinhalb Minuten auf der 3 von Headcoach Kevin Ollie eingewechselt. Bereits nach kurzer Zeit konnte sich Giffey mit einer gelungenen Offensiv-Aktion in die Scorerliste eintragen, als er den Ball von Enosch Wolf im Low-Post bekam und per Turnaround-Jumpshot abschließen konnte. Beim Rest des Spiels von Giffey könnte ich eigentlich das Gleiche schreiben wie in der letzten Woche. Denn erneut fiel Giffey positiv durch seine Defense, sein Rebounding und seine Aggressivität und Intensität an beiden Enden des Feldes auf. Zwar will sein Dreier momentan leider einfach nicht fallen, dafür leistete Giffey in Korbnähe gute Arbeit: Neben dem eingangs erwähnten Turnaround-Jumpshot aus dem Post-Up, zog Giffey außerdem noch sehr schön für ein And-One zum Korb und narrte seinen Gegenspieler außerdem mit einem schönen Pump-Fake, nachdem er den Ball unter dem Korb bekam.
Solider Auftritt von Giffey, der momentan allerdings so ein bisschen in der Luft hängt. Zwar wird er im Moment nicht auf der 4 eingesetzt, aber auf der 3 ist er klare Nummer 2 hinter Omar Calhoun. Das ist schon eine etwas traurige Entwicklung, wenn man an sein großartiges Spiel gegen Stony Brook denkt.

Elias Harris (Gonzaga Bulldogs)
Mit den Kansas State Wildcats wartete auf die Gonzaga Bulldogs die nächste größere Prüfung nach der Niederlage gegen die Fighting Illini. K-State ist bekannt für seine starke Defense und seit dieser Saison zeichnet außerdem der aus der BBL bestens für seine kompromisslose Verteidigung bekannte Chester Frazier für die Defense der Wildcats verantwortlich. Zu spüren bekam diese Defense vor allen Dingen Elias Harris, der von seinen Gegenspielern über die gesamte Spieldauer physisch sehr hart und aggressiv verteidigt wurde und es so sehr schwer hatte, sein Offensiv-Spiel aufzuziehen. So erzielte Harris sechs seiner insgesamt zehn Punkte von der Freiwurflinie. Die restlichen vier erzielte er zum einen bei einem Drive ganz zu Beginn des Spiels, als er den Ball über die Mittellinie brachte und direkt zum Korb zog und zum anderen bei einem Drive ganz am Ende des Spiels. In der Zwischenzeit tat Harris das, was ihn so wertvoll für dieses Team macht: seine Mitspieler bedienen. Ob durch High-Low, starke Pässe beim Drive oder aus dem Post-Up: Elias Harris fand immer wieder seine Mitspieler und hätte deutlich mehr als drei Assists sammeln können, wenn Karnowski und Olynyk sämtliche Anspiele verwandelt hätten. Auch beim Rebound überzeugte Harris wieder einmal durch gutes Ausboxen und seinen Instinkt.
Wieder einmal ein gutes Spiel von Harris also, auch wenn er nicht unbedingt als Scorer in Erscheinung getreten ist. Aber alleine durch seine Präsenz und dadurch, dass er die Aufmerksamkeit mehrerer Verteidiger auf sich zog, veränderte er das Spiel merklich. Von den entstehenden Freiräumen profitiert das ganze Team. Sorgen macht mir momentan einzig sein Distanzwurf: Der will irgendwie nicht fallen, weshalb Harris immer wieder freie Würfe vom Halbkreis verweigert. Ich hoffe, dass bekommt er bis zum März in den Griff…

Patrick Heckmann (Boston College Eagles)
Patrick Heckmann stand gegen die New Hampshire Wildcats erneut in der Startaufstellung und hatte eigentlich ein eher durchschnittliches Spiel. Eigentlich, denn mit zwei Defensiv-Aktionen brachte er sein Team auf die Siegerstraße: Zum einen gegen Ende der regulären Spielzeit, als er in der Help-Defense den Wurf von Wildcats-Guard Chandler Rhoads blockte bzw. dessen Flugkurve so gerade noch mit der Fingerspitze verändern konnte und Heckmann seinem Team so die Overtime rettete. Zum anderen in der vorletzten Possession der Verlängerung, als er gegen den zum Korb ziehenden Gegner die Baseline dicht machte und dessen Offensiv-Aktion damit beenden konnte. So wurde Patrick Heckmann der Unsung Hero der Eagles, denn die Lobeshymnen der Kommentatoren holte sich Heckmanns Teamkamerad Ryan Anderson für seine starke offensive Performance ab.
Dass Heckmann an dieser Stelle nicht mehr Aufmerksamkeit bekam, lag wohl an seiner insgesamt eher unauffälligen Leistung. Zwar bewegte Heckmann sich gewohnt gut ohne Ball (das macht er von allen deutschen College-Spielern, die ich sehe, am besten) und lief stark den Break, aber insgesamt hatte ich ein wenig das Gefühl, dass er nicht so konzentriert und aggressiv war, wie in anderen Spielen. Mehrere einfache Lay-Ups gingen daneben, der Dreier wollte weder offen noch contested fallen, beim Defensiv-Rebound stand er auch hin und wieder etwas unbeteiligt in der Zone herum und ein paar dumme Ballverluste waren auch wieder dabei. Keine Ahnung, was da los war. Als es wirklich wichtig wurde, war Heckmann jedoch mit 100% bei der Sache und hat seinem Team den Sieg gerettet. Darauf kommt es an, darauf sollte er aufbauen. Und ich hoffe, dass Coach Donahue sich dick und fett notiert hat, dass Heckmann da ist, wenn es darauf ankommt.

Leon Tolksdorf (Connecticut Huskies)
Zum ersten Mal seit langer Zeit stand Leon Tolksdorf wieder für die Huskies gegen Maryland-Eastern Shore auf dem Parkett. Gleich eine seiner ersten Aktionen deuteten das Talent an, das er den Huskies in der Zukunft geben kann: Mit einem Drive vom oberen Ende der Birne – inklusive eines ziemlich schnellen Spin-Moves – zog er gleich das Foul und ging für zwei Freiwürfe an die Linie. In seinen sieben Minuten Spielzeit in der ersten Halbzeit überzeugte Tolksdorf außerdem durch starke Defense. In der zweiten Halbzeit fügte er sich gleich mit einem sicheren Spot-Up-Dreier aus der Ecke ein und spielte weiter eine starke Verteidigung. Leider wollten seine nächsten Würfe vom Halbkreis nicht fallen. Dennoch empfahl sich Tolksdorf, der mir auf der 4 viel besser als Giffey gefällt, mit wirklich guter Defense, schönen Pässen und hoher Intensität für weitere Einsätze.

Enosch Wolf (Connecticut Huskies)
Enosch Wolf ist mittlerweile in der Starting-Five der Huskies angekommen. Zwar hat er sich noch nicht das Vertrauen von Kevin Ollie erarbeiten können, auch gegen Ende des Spiels auf dem Feld zu stehen, aber vielleicht kommt das ja noch. Denn Wolf macht im High-Post eine sehr gute Figur: Stets anspielbar, initiiert Wolf mit seinen guten Passfähigkeiten hier zahlreiche Offensiv-Aktionen. Ich würde mir wirklich wünschen, dass sein Talent hier noch mehr genutzt würde, da er eben ein guter Passer ist und auch über den Jumpshot aus dieser Entfernung verfügt. Dass die Huskies das Pick’n’Roll mit Wolf ernsthaft in ihr Offensivspiel einbauen glaube ich mittlerweile nicht mehr, dafür wird Wolf einfach zu regelmäßig beim Abrollen ignoriert. Trotzdem scheint Wolf eine gute Rolle bei den Huskies gefunden zu haben: Als Passer im High-Post, guter Verteidiger und aggressiver Rebounder. Das ist doch was.

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