Deutsche in der NCAA 2012-2013, Woche 7: Bright, Giffey, Heckmann, Koch, Standhardinger, Tolksdorf, Wolf

Um Weihnachten hatte ich endlich mal wieder viel Zeit, um mir ein paar Basketballspiele anzusehen. Deswegen gibt es heute Beobachtungen von relativ vielen Spielern. Das Spiel von Sebastian Kochs Phoenix gegen Duke war allerdings bereits in der Woche vorher, hier habe ich gemogelt. Die Beobachtungen der letzten Nacht aus dem Spiel von Elias Harris gegen Baylor kommen dann am Freitag.

Kevin Bright (Vanderbilt Commodores)
In der Begegnung seiner Commodores gegen die Middle Tennesse Blue Riders kam Kevin Bright nur mit Mühe ins Spiel: Nach einem schnellen Turnover durch ein missglücktes High-Low-Anspiel machte Bright zunächst einen etwas passiven Eindruck – zu diesem Zeitpunkt war wenig Bewegung in seinem Spiel ohne Ball. Nach einem sehr schönen Backdoor-Cut mit anschließendem Dunk und dem Dreipunktspiel war Bright allerdings wieder sehr aktiv und aggressiv. Kurz nach seiner Wiedereinwechslung, bei noch etwa acht zu spielenden Minuten in der ersten Halbzeit, krachte Bright dann unglücklich in einen On-Ball-Screen, hielt sich daraufhin mit schmerzverzerrtem Gesicht die Schulter und wurde für den Rest der ersten Halbzeit ausgewechselt. In der zweiten Halbzeit konnte Kevin Bright allerdings wieder durch starke Reboundarbeit, gute Defense und Hustle-Plays überzeugen. Offensiv lief es zwar nicht so gut, da produzierte Bright durch Fehlpässe auch den ein oder anderen Turnover, aber als Rollenspieler lieferte er in der knappen Niederlage gegen Middle Tenn wieder eine überzeugende Partie ab.

Niels Giffey (Connecticut Huskies)
Gegen die Fordham Rams wurde Niels Giffey relativ spät eingewechselt, in früheren Partien stand er in der Regel schon nach wenigen Minuten auf dem Parkett. Dieses Mal musste Giffey bis zur 14. Minute warten, als er auf der 4 eingewechselt wurde. Die Stammformation im Backcourt, so realistisch sollte man sein, wird wohl bis zum Saisonende Napier, Boatright und Calhoun lauten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Giffey hier noch dauerhaft Spielzeit abgreifen wird. So sah Giffey sich auf der für ihn ungewohnten Position einem Power-Forward gegenüber, der gefühlt doppelt so groß und breit wie Giffey war (Achtung, Übertreibung!). Gegen den behauptete Giffey sich besonders gut in der Defensive, wo er sich wirklich deutlich verbessert hat: Durch starke, aggressive Deny-Defense und schnelle Hände gelang es Giffey seine körperliche Unterlegenheit auszugleichen, lediglich beim Ausboxen wurde er das eine oder andere Mal einfach weggeschoben. Auch in der Team-Defense wusste Giffey durch gute Hilfe in verschiedenen Situationen zu überzeugen. Offensiv wieder mal ein gebrauchter Tag, nachdem er eigentlich ganz gut mit einem frühen Korb startete. Wenn man aber auch freistehend und in guter Position von seinen Guards ignoriert wird, kann man halt keine Punkte machen. A propos „seine“ Guards: Jemand sollte Boatright mal ausrichten, dass er in der Defense Druck auf den Passer ausüben sollte, wenn Giffey den körperlich überlegenen Gegenspieler im Post frontet.
Insgesamt ein Spiel gegen einen schwachen Gegner, bei dem ich nur noch mit dem Kopf darüber schütteln konnte, wie Giffey momentan von Coach Kevin Ollie eingesetzt wird. Andererseits muss man aber auch sagen, dass das Line-Up mit Napier, Boatright und Calhoun offensiv wie defensiv sehr gut funktioniert. Irgendwie business as usual für Giffey bei den Huskies: Es gibt keine wirklich Rolle für ihn. Das hatte ich anders erwartet.

Patrick Heckmann (Boston College Eagles)
Patrick Heckmann hatte gegen die Providence College Friars eigentlich so einen richtig gebrauchten Tag: Nach dem guten Start mit dem Floater von der Freiwurflinie konnte er beim Give & Go den Ball nicht fangen, spielte schlechte – weil nicht vorhandene – Help-Defense und verliert den Ball beim Defense-Rebound an den Gegenspieler, der daraufhin im Break punktet. Das waren die Höhepunkte einer unauffälligen bis schlechten ersten Halbzeit von Heckmann. Bis zu diesem Unterhandkorbleger gegen den Verteidiger nach einem Hand-Off und dem starken Drive: Das war so ziemlich die stärkste Offensiv-Aktion, die ich in dieser Saison von Heckmann gesehen habe. Der Junge hat Game! Leider hatte Heckmann aber nach dieser starken Aktion ein bisschen mit Foultrouble zu kämpfen, da er sich früh sein 3. Foul abholte. Daher stand er in der zweiten Hälfte von Halbzeit 1 nicht mehr so viel auf dem Parkett.
Unglücklicherweise beging Heckmann sein 4. Foul nach nur einer Minute der zweiten Halbzeit, weshalb er bis sechs Minuten vor Spielende auf der Bank Platz nehmen musste. Beim Stand von 56:56, das Spiel stand auf des Messers Schneide, wurde Heckmann von Coach Donahue dann wieder eingewechselt – und traf direkt den Spot-Up-3 nach einem Kickout-Pass. Heckmann war in der stark umkämpften Schlussphase gegen die Friars sehr präsent, ob in der Defense oder am offensiven Brett. Mit wichtigen Rebounds trug er entscheidend zum Sieg seines Teams bei und zeigte seinem Coach, dass dieser sich auf ihn verlassen kann. Heckmann hat wieder einmal produziert, als es darauf ankam. Stark!

Sebastian Koch (Elon Phoenix)
Als ich Sebastian Koch beim Spiel seiner Elon Phoenix gegen Duke vor Weihnachten das erste Mal habe spielen sehen, fiel er mit besonders durch eine Aktion auf: Point-Guard Austin Hamilton dribbelte sich gerade gegen Dukes aggressive Defense ein Loch in den Bauch, als Koch ihm zurief: „MOVE!!!“ Und Hamilton bewegte daraufhin tatsächlich zunächst sich und dann auch den Ball. Ich weiß nicht mehr, ob die dann folgende Aktion erfolgreich war und eigentlich war das auch nur eine Kleinigkeit, aber ich mag Spieler, die auf dem Parkett Verantwortung übernehmen, kommunizieren und dadurch ihre Mitspieler besser machen. Koch fiel auch in allen anderen Belangen positiv auf, er war mit 14 Punkten Topscorer und 9 Boards bester Rebounder seines Teams. In der ersten Halbzeit gelang es ihm mehrmals aus dem Curl kommend oder durch Körpertäuschungen am Perimeter frei zu stehen und den offenen Dreier zu verwandeln. Aber auch beim Drive war er stark. Dukes PG Seth Curry hatte mit Kochs Defense auch seine liebe Mühe, Rasheed Sulaimon kam gegen ihn etwas besser zur Geltung.
In der zweiten Halbzeit hatte Koch es gegen die immer stärker werdende Defense der Blue Devils zum Zug zu kommen. Da wurde er sehr stark deny verteidigt und auf die ballführenden Spieler enormer Druck ausgeübt. Vielleicht hätte Koch, wie der Schönen-Dunk-User Mohawq anmerkte, sich mehr den Ball abholen müssen, aber gegen Dukes Defense war in Halbzeit zwei wirklich kaum ein Kraut gewachsen. Aber ne tolle Sache, dass sich Koch auf dieser Bühne gegen die momentan wohl unumstrittene Nummer 1 in der NCAA so präsentiert hat.

Christian Standhardinger (Hawaii Warriors)
Seitdem ich Standhardinger im November das letzte Mal habe spielen sehen, habe ich mehr oder weniger nur seine Statlines verfolgt und Highlights angeschaut. Klar war, dass Standhardinger neben Center Vander Joaquim Topscorer und wichtigste offensive Option für sein Team ist. Dazu legte er in den drei Spielen vor der Begegnung gegen die Miami Hurricanes drei Double-Doubles in Folge auf und zeigte gegen UNLVs Über-Freshman Anthony Bennett eine sehr starke Leistung mit 27/10. Die Canes zogen daraus die richtigen Schlüsse und doppelten Standhardinger, sobald er den Ball in der Hand hatte. Egal ob im Low- oder High-Post oder beim Drive, sofort kam ein zweiter Spieler der Miami Hurricanes zur Hilfe. So war Standhardinger in der Offensive in der ersten Halbzeit komplett abgemeldet, lediglich einen schönen Ableger auf Joaquim beim Drive konnte man von ihm sehen. Auch in der zweiten Halbzeit änderte sich zunächst nichts daran und so wurde Standhardinger bereits nach zweieinhalb Minuten wieder ausgewechselt. Als er dann wieder auf dem Parkett stand, war das Spiel bereits gegessen und die Hurricanes mit 20 Punkten in Führung. Zwar konnte Standhardinger in der Garbage-Time noch ein ein paar Punkte erzielen, aber offensiv war er in den wichtigen Phasen des Spiels komplett abgemeldet. Defensiv überzeugte Standhardinger gegen Miami durch gute Post- und On-Ball-Defense. Bei letzterer durchaus auch gegen kleinere und wendigere Gegenspieler.
Gegen Ole Miss zwei Tage später sah es für Standhardinger nicht wirklich besser aus. Auch in dieser Partie wurde er stark verteidigt. Im Gegensatz zum Spiel gegen Miami schaffte Standhardinger es gegen Ole Miss jedoch, das Doppeln zu nutzen und seine frei stehenden Mitspieler zu bedienen. Am Ende des Spiels hätte er 5 Assists haben müssen, wenn ihm der Scouter nicht einen geklaut hätte.
In beiden Spielen überzeugte Standhardinger durch aggressive Defense und hohe Intensität beim Rebound, offensiv wie defensiv. Bei der Niederlage gegen Ole Miss verstand er es außerdem, durch schöne Pässe die Freiräume besser zu nutzen. Ich bin ein bisschen skeptisch, was die Line-Up Standhardinger, Fotu und Joaquim angeht. Die drei standen sich in meinen Augen in der Zone recht häufig auf den Füßen, da Standhardinger auch eher ein Inside-Spieler ist. Da war auch das Spacing des Deutschen nicht besonders toll. Auffällig auch die Szene, als er sich mit Joaquim beim Rebound missverstanden hatte und der Ball ins Aus ging. Daraufhin gab’s von Standhardinger erst mal ein paar deutliche Worte in Richtung seines Centers, woraufhin Coach Gib Arnold eine Auszeit nehmen und seinen Spielern den Kopf waschen musste.

Leon Tolksdorf (Connecticut Huskies)
In seinen vier Spielminuten in der ersten Halbzeit gegen Fordham zeigte Leon Tolksdorf auf der 4 einen sehr starken Kick-Out-Pass aus dem Drive auf Shabazz Napier, der den offenen Dreier verwandeln konnte. Das war wirklich eine sehr schöne Szene für Tolksdorf, der so seine Variabilität in der Offense einmal mehr zeigen konnte. In der zweiten Halbzeit kam Tolksdorf ebenfalls bei noch vier zu spielenden Minuten auf das Parkett, wurde aber nach einer sehr unglücklichen Aktion bereits eine Minute später wieder ausgewechselt: Zunächst verfehlte er den Spot-up-3 aus der Ecke und verlegte dann in der selben, durch einen Offensiv-Rebound verlängerten, Sequenz den relativ freien Layer nach einem schönen Pass von Boatright in die Zone. Beim Offensiv-Rebound-Versuch foulte Tolksdorf seinen Gegenspieler daraufhin, ja, dämlich und wurde von Ollie wieder ausgewechselt. Er kam dann für die letzte Spielminute wieder auf’s Spielfeld.

Enosch Wolf (Connecticut Huskies)
Kevin Ollie, Coach der Connecticut Huskies, hat mal bezüglich der Rolle von Enosch Wolf als Starter gesagt, dass er die Jungs starten lasse, die er mag. Gegen Ende des Spiels stünden dann die Jungs auf dem Parkett, denen er vertraut. Bei Enosch Wolf kann man das Vertrauen in Wolf momentan mit einer Uhr stoppen, denn exakt nach jeweils sechs Minuten wurde er in beiden Hälften des Spiels ausgewechselt. In der ersten Halbzeit machte Wolf mal wieder einen soliden Eindruck, spielte gute Help- und Post-Defense. In der zweiten Halbzeit hat er ein oder zwei Mal bei der Help-Defense gepennt. Offensiv bekam er in diesem Spiel glaube ich gar keinen Ball, wofür mir, bei seinem guten Jump-Shot aus der Mitteldistanz und seinen Passfertigkeiten, nach wie vor jedes Verständnis fehlt. Bei 03:56 vor Spielende wurde Wolf dann wieder eingewechselt. Als Wolf beim Ausboxen beim Freiwurf von seinem Gegenspieler einfach weg geschoben wurde und er so den Offensiv-Rebound zulassen musste und seinen Gegenspieler auch noch foulte, wurde er etwa zehn Sekunden später bei 03:45 vor Spielende wieder ausgewechselt. Ein wirklich dämliches Foul, klar, aber die Wiederauswechslung nach zehn Sekunden war, in einem Spiel gegen einen unterlegenen Gegner, schon sehr hart. Seltsame Behandlung eines Spielers, den Ollie „mag“.

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