Deutsche in der NCAA 2012-2013, Woche 8: Giffey, Harris, Heckmann, Wolf

In den Spielen der vergangenen Woche spielten die vier Spieler, über die ich hier bisher am häufigsten geschrieben habe, alle sehr wichtige Rollen für ihre Teams. Zwar nicht in jedem Spiel, aber in den wichtigen Spielen. Sehr erfreulich.

Niels Giffey (Connecticut Huskies)
Manchmal hat man als Spieler gute Tage und manchmal hat man eben schlechte. Was zunächst klingt wie ein Spruch einer mitfühlenden Spielermutter, spiegelt sehr gut die Auftritte von Niels Giffey in den zwei Partien der vergangenen Woche wieder. Das Spiel seiner Huskies gegen die Huskies aus Washington fand an einem eher schlechteren Tag statt. Giffey wurde ungewöhnlich spät (nach etwa 6,5 gespielten Minuten) auf der 3 eingewechselt, zeigte zunächst aber solide Defense und ein paar schöne Pässe. Nachdem er dann in der Defense mal so richtig gepennt hatte, wurde er wieder ausgewechselt. Kurze Zeit später hatte Giffey einen weiteren Auftritt in Halbzeit eins, fiel aber auch da durch eine Unaufmerksamkeit in der Verteidigung auf. In der zweiten Halbzeit hat Giffey dann kaum noch gespielt und konnte so an diesem Tag gar nichts zeigen.
Gegen Marquette zum Auftakt der Big-East-Saison am 1. Januar, hatte Giffey einen wesentlich besseren Tag. Nach einer sehr schlechten defensiven Sequenz in der Defense und einer daran anschließenden schlechten Entscheidung in der Offense von Daniels, wurde Giffey nach nur einer Minute auf der 4 eingewechselt und traf sofort den freien Spot-Up-Dreier. In seinen 32 Minuten Spielzeit überzeugte Giffey dann durch etwas, was man von ihm in Deutschland so eigentlich nicht erwartet: starke Defense. Auch wenn Giffey mitunter unaufmerksam ist – vor allen Dingen unter dem Korb, was einfach nicht seine natürlich Position auf dem Feld ist -, ist er in meinen Augen der vielseitigste Verteidiger der UConn Huskies. Egal ob Perimeter-, Post- oder Deny-Defense, Giffey hängt sich immer voll rein und ist aggressiv. Er verteidigt außerdem clever durch gutes Stellungsspiel und dirigiert seine Mitspieler in der 2-3-Zone. Dieser Einsatz und Giffeys bedingungslose Rollenakzeptanz ist wohl das, was Headcoach Kevin Ollie an ihm schätzt. So stand Giffey fast die komplette zweite Halbzeit und die ganze Overtime auf dem Parkett. Zwar auf der 4, wo er offensiv nach wie vor nicht ins Spiel eingebunden ist, aber mit starker Defense, Hustle-Plays und hoher Intensität. Leider auch mit einem dicken Bock in der Defense, durch den sein Gegenspieler den wohl entscheidenden Korb für Marquette machen konnte. Aber insgesamt ein starker Auftritt von Giffey als defensiver Rollenspieler.

Elias Harris (Gonzaga Bulldogs)
Bei Harris könnte ich prinzipiell Woche für Woche das gleiche Hohelied anstimmen: Toller, vielseitiger PF mit guter Defense und hohem Spielverständnis und so. Denn auch gegen die Baylor Bears, die zwar nicht mehr so stark besetzt sind wie in der vergangenen Saison, aber immer noch über sehr gute Spieler verfügen, zeigte Harris fast sein volles Repertoire. Durch geschickten Einsatz seines Körpers konnte er sich wieder und wieder eine gute Position in Korbnähe erarbeiten und Foul um Foul von seinen Gegenspielern ziehen. Fast die Hälfte seiner insgesamt 15 Punkte gegen Baylor erzielte Harris so von der Freiwurflinie. Gute 1-on-1-Defense, starkes Rebounding und außergewöhnliches Passspiel für einen PF sind mittlerweile obligatorisch. Grund zur Kritik ist nach wie vor Harris‘ seit dieser Saison nicht mehr existente Jump-Shot (hier trifft Harris mitunter sehr schlechte Entscheidungen am Halbkreis) und schlechte Pick’n’Roll-Defense, die aber strukturell bedingt und kein individuelles Problem Harris‘ ist. Sämtliche Big Men der Zags haben in der Hilfe beim P’n’R Probleme bei der Abstimmung mit ihren Guards, häufig wird unnötig geswitcht – was auch der Grund für die Niederlage gegen Illinois war – oder zu langsam recovert.
Im knappen Sieg gegen Oklahoma State wurde Harris sehr gut verteidigt. In der Regel bekommt er den Ball zunächst an der Birne, um entweder ein High-low zu spielen, zum Korb zu ziehen oder per Hand-Off an seinen Mitspieler zu übergeben. In diesem Spiel gab es kaum Möglichkeiten für die ersten beiden Optionen, weshalb sich Harris‘ Produktivität in Grenzen hielt – und auch im Post wurde er stärker verteidigt als noch im Spiel zuvor. Trotzdem konnte Harris seinem Team helfen: Zum Beispiel als er gegen die Full-Court-Presse den Ball brachte und einen unglaublich guten Bodenpass auf den cuttenden Mike Hart spielte. Oder eben durch sein Rebounding und seine Defense.
Insgesamt eine solide Woche für Harris, der in der vorletzten Nacht gegen Pepperdine offensiv wohl wieder besser im Spiel war mit 18 Punkten. Aber das Spiel hab ich nicht gesehen.😉

Patrick Heckmann (Boston College Eagles)
Patrick Heckmann ist, das gebe ich gerne und offen zu, momentan der deutsche Spieler in der NCAA, dessen Spiel mir am meisten Spaß macht. Seit seinen game-winning Defense-Aktionen gegen New Hampshire hat Heckmann deutlich an Selbstvertrauen gewonnen und Fahrt aufgenommen. Dass er mit 19 Punkten gegen die Holy Cross Crusaders in der vergangenen Woche seine in dieser Saison bisher höchste Punktzahl erzielen konnte, war schon fast logische Konsequenz. In den ersten zehn Minuten dieses Spiels war Heckmann noch recht unauffällig, außer einem getroffenen Spot-Up-Dreier war von ihm nicht viel zu sehen. Die zweiten zehn Minuten der ersten Halbzeit begann Heckmann mit einem schönen Unterhandkorbleger nach einem entschlossenen Drive. Wie schon im Spiel gegen Providence konnte Heckmann aus einer solchen Aktion Selbstvertrauen und schöpfen war ab diesem Zeitpunkt unheimlich aggressiv in der Offensive. In den folgenden Angriffen zog er mehrmals zum Korb und schaffte so Räume für seine Mitspieler. Auch ein weiterer Spot-Up-Dreier fand sein Ziel. Diesen Schwung nahm Heckmann mit in die zweite Halbzeit, als er fast direkt nach Wiederanpfiff einen weiteren Dreier aus dem Give & Go traf. Und wie wichtig Selbstvertrauen für einen Shooter wie Heckmann ist, sah man, als er nach einem Defensive-Rebound den Ball selber über die Mittellinie brachte und dann ansatzlos einen sehr weiten Dreier nahm und traf. In der Offense lief es in der zweiten Halbzeit mit weiteren Dreiern und Freiwürfen gut, aber auch in der Defense konnte Heckmann große Teile des Spiels überzeugen.
Warum Patrick Heckmann enorm wichtig für seinen Coach Steve Donahue ist, zeigte sich einmal mehr im Spiel gegen die Dartmouth Big Green. Obwohl er eher mäßig mit einem Turnover, verschlafener Defense- und Rebound-Arbeit und misslungenen Offensiv-Aktionen ins Spiel startete, kämpfte er sich über gute Defense zurück ins Spiel. In Folge dessen konnte er auch offensiv durch einen Spot-Up-Dreier, gute Laufarbeit im Fast-Break und einem starken Zug zum Korb punkten. Probleme bereitete Heckmann sich nach dieser sehr guten Phase durch sein 2. Foul selber, weshalb er die zweiten zehn Minuten der ersten Halbzeit auf der Bank verbrachte. Die zweite Halbzeit war dann lehrbuchmäßig: Ohne ein weiteres Foul zu begehen, zeigte Heckmann starke On-Ball- und Help-Defense, zog ein Offensive-Foul in der Post-Defense und war aggressiv beim Rebound – eine Minute lang zeigte er diese Leistung sogar nur mit einem Schuh.
Heckmann hat es in den letzten drei Spielen verstanden, sich Selbstvertrauen über starke Leistungen in der Defense zu erarbeiten. Mit hoher Intensität ist er hier momentan Vorbild für das gesamte Team und darüber hinaus immer für eine zweistellige Punkteausbeute gut. Im Moment läuft es gut für Heckmann als Edelrollenspieler, der in der Defense den Ton angibt und in der Offense kluge Entscheidungen trifft und sich gut bewegt. Wenn er das beibehalten und zusätzlich an seinen Foulproblemen und seinem Zug zum Korb mit der linken Hand arbeiten kann, wird das ne runde Saison für Heckmann.

Enosch Wolf (Connecticut Huskies)
Wie schnell Dinge sich doch ändern können… In der letzten Woche habe ich noch geschrieben, dass Wolf zu den Jungs gehört, die Headcoach Kevin Ollie mag und daher in der Startformation der Huskies steht. Dort stand er im Spiel gegen die Washington Huskies nicht mehr. Stattdessen wurde er nach etwa dreieinhalb Minuten eingewechselt. In seinen sieben Minuten Spielzeit in der ersten Halbzeit überzeugte Wolf mit tollen Hustle-Plays, Rebounding und guter Help-Defense. In der zweiten Halbzeit machte er dann da weiter wo er aufgehört hatte: er schmiss sich nach jedem Ball, kämpfte um jeden Rebound, machte die Zone dicht und zog mehrere Offensiv-Fouls. Belohnt wurde Wolf für sein perfektes Spiel als Rollenspieler mit einem tollen Alley-Oop-Anspiel und Standing-Ovations bei seiner Auswechslung etwa 30 Sekunden vor Spielende nach 17 Minuten Spielzeit. Mit diesen Auftritten in der Defense sowie seinen neun Rebounds macht sich Wolf unverzichtbar für Ollie. Denn die Spieler, denen er vertraut, stehen am Ende des Spiels auf dem Parkett.
Und da stand Wolf auch gegen die Marquette Golden Eagles. In diesem Spiel knüpfte er nahtlos an seine Leistung gegen Washington an. Wieder arbeitete er gut am Brett und holte sieben Rebounds, von denen mindestens drei Offensive-Rebounds waren und die Wolf dann in Zählbares umwandeln konnte. Durch seine Präsenz in der Zone und beim Rebound spielte Wolf dann sogar die Overtime durch – wer hätte das vor einer Woche gedacht?
In der vergangenen Woche spielte Wolf für die Huskies genau die Rolle, die Ollie sich von ihm wünscht: defensive Macht in der Zone, starkes Rebounding und einfache Punkte aus Put-Backs. Wirklich schade ist nur, dass Wolf nach einem Offensive-Rebound in der Overtime nach einem Freiwurf die Gelegenheit zum Ausgleich hatte, den Ball aber daneben legte. Hätte er den gemacht, wäre  das Momentum gekippt. Leider hat es nicht geklappt. Da muss er kompromissloser werden und konzentriert bleiben. Genau so wie bei seinem Dunk, nach einem schönen Anspiel aus dem Pick’n’Roll: Wenn er sich da nicht überflüssigerweise an den Ring hängt, flutscht der Ball nicht wieder heraus. Aber insgesamt eine tolle Woche für Wolf.

Deutsche in der NCAA, Woche 7
Deutsche in der NCAA, Woche 6
Deutsche in der NCAA, Woche 5
Deutsche in der NCAA, Woche 4
Deutsche in der NCAA, Woche 3
Deutsche in der NCAA, Woche 1

Getaggt mit , , , ,

Ein Gedanke zu „Deutsche in der NCAA 2012-2013, Woche 8: Giffey, Harris, Heckmann, Wolf

  1. […] in der Fünf oder der BBL-Homepage, dann ist dies vielleicht der sichtbarste Effekt der Quote: Die nächste Generation am College oder im U19-Team wird aufs Schärfste beobachtet. Die deutschen Spieler, die mehr als die – […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: